Ferritin & Blutwerte10 Min. Lesezeit

Zu viel Eisen im Blut: Ursachen, Symptome und Blutwerte

Erhöhtes Serumeisen, Eisenüberladung und Hämochromatose: wie Sie die Werte lesen, welche Symptome es gibt, was Ärzte tun und wie viel Eisen zu viel ist.

Leena Bloom
Autorin: Leena Bloom·Geprüft von: FerraBloom Redaktion
Veröffentlicht:
Zu viel Eisen im Blut: Blutröhrchen für die Eisenwerte im Labor
Inhalt
  1. Was bedeutet zu viel Eisen im Blut?
  2. Welche Ursachen hat ein erhöhtes Serumeisen?
  3. Was ist Hämochromatose, und warum zeigt sie sich bei Frauen später?
  4. Welche Symptome hat zu viel Eisen?
  5. Welche Blutwerte sind bei zu viel Eisen sinnvoll?
  6. Was passiert, wenn man zu viel Eisen auf einmal nimmt?
  7. Wie viel Eisen aus Präparaten ist zu viel?
  8. Wie wird eine Eisenüberladung behandelt?
  9. Wann sollten Sie zur Ärztin oder zum Arzt?
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen
Kurz gesagt
  • Ein einzelner erhöhter Eisenwert im Blut (Serumeisen) bedeutet oft nicht, dass zu viel Eisen im Körper ist: Er kann von einem Präparat oder einer Mahlzeit vor der Blutabnahme kommen. Eine echte Überladung wird mit Ferritin und Transferrinsättigung zusammen beurteilt.
  • Die häufigste Ursache einer chronischen Eisenüberladung ist die erbliche Hämochromatose (HFE-Gen). Bei Frauen „versteckt“ die Periode sie lange, deshalb fällt sie oft erst nach den Wechseljahren auf.
  • Laut europäischer Leitlinie weist bei Frauen eine Transferrinsättigung über 45 % zusammen mit einem Ferritin über 200 µg/l bei einer Person mit der typischen Genvariante auf eine wahrscheinliche Überladung hin.
  • Wenn ein Kind versehentlich Eisentabletten schluckt, ist das ein Notfall: Rufen Sie sofort die 112 oder den Giftnotruf an.

Im Befund steht ein Pfeil nach oben neben „Eisen“ oder „Serumeisen“, und die erste Frage lautet: Habe ich zu viel Eisen im Blut? Ist das gefährlich? Muss ich mein Präparat absetzen? Manchmal ist der Grund ganz banal, etwa die Kapsel am Morgen der Blutabnahme. Manchmal ist es aber auch der erste Hinweis auf eine Eisenansammlung, die ärztlich begleitet werden sollte.

In diesem Artikel geht es darum, was ein erhöhter Eisenwert bedeutet, wann wirklich von einer Überladung die Rede ist, welche Untersuchungen sinnvoll sind, was bei einer Überdosierung passiert und was Ärztinnen und Ärzte dann tun. Ist bei Ihnen das Ferritin erhöht, finden Sie alle Ursachen (Entzündung, Leber, Stoffwechsel) im Ratgeber Ferritin zu hoch. Hier konzentrieren wir uns auf einen echten Eisenüberschuss.

was Sie bei zu viel Eisen im Blut tun und lassen sollten
Bevor Sie Eisen nehmen oder absetzen, braucht es die richtigen Blutwerte und eine ärztliche Einschätzung.

Was bedeutet zu viel Eisen im Blut?

Es bedeutet, dass das Serumeisen, also das an Transferrin gebundene Eisen im Blut, über dem Referenzbereich des Labors liegt. Allein sagt dieser Wert aber wenig: Er schwankt im Tagesverlauf und steigt nach einem Präparat oder einer Mahlzeit. Ob wirklich zu viel Eisen im Körper ist, zeigen Ferritin und Transferrinsättigung, nüchtern wiederholt.[1][2]

Stellen Sie sich das Serumeisen wie den Verkehr auf einer Straße zu einem bestimmten Zeitpunkt vor und das Ferritin wie das Lager. Eine Stunde dichter Verkehr heißt nicht, dass das Lager voll ist. Beides wird zusammen gelesen. Wie das Schritt für Schritt geht, erklärt der Ratgeber zu den Eisenwerten im Blut.

Welche Ursachen hat ein erhöhtes Serumeisen?

Die häufigsten Gründe für ein einmalig erhöhtes Serumeisen sind ein Eisenpräparat in den Stunden vor der Blutabnahme, eine eisenreiche Mahlzeit oder eine hämolysierte Probe. Ursachen für einen anhaltend erhöhten Wert sind die Hämochromatose, wiederholte Bluttransfusionen, bestimmte Lebererkrankungen und einige erbliche Blutarmuten.[1][2]

Zu viel Eisen im Blut: mögliche Ursachen und nächster Schritt
SituationWas dahinterstecken kannNächster Schritt
Präparat am Morgen der Blutabnahme genommenVorübergehend erhöhtes SerumeisenNüchtern wiederholen, ohne Eisen in den 24 Stunden davor (mit der Ärztin absprechen)
Serumeisen hoch, Ferritin und Sättigung normalOft keine ÜberladungÄrztin entscheidet, ob wiederholt wird
Transferrinsättigung anhaltend hochMögliche HämochromatoseFerritin, HFE-Gentest
Sättigung und Ferritin beide hochWahrscheinliche EisenansammlungFachärztliche Abklärung, Gentest, manchmal MRT der Leber
Wiederholte TransfusionenÜberladung durch TransfusionenKontrollen in einem spezialisierten Zentrum
Auffällige LeberwerteLeberschaden, bei dem Eisen frei wirdAbklärung durch Leberspezialisten

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Frau nimmt ihr Eisen jeden Morgen zum Frühstück und tut das auch am Tag der Blutabnahme, bevor sie aus dem Haus geht. Das Serumeisen ist erhöht, Ferritin und Sättigung liegen im Normbereich. Oft reicht es, den Test richtig zu wiederholen.

Was ist Hämochromatose, und warum zeigt sie sich bei Frauen später?

Die erbliche Hämochromatose ist eine genetische Veranlagung, bei der der Darm über Jahre zu viel Eisen aufnimmt. Das Eisen lagert sich in Leber, Gelenken, Bauchspeicheldrüse und Herz ab. Bei der häufigsten Form trägt die Person zwei Kopien der Variante p.C282Y im HFE-Gen. Bei Frauen geben Periode und Schwangerschaften Eisen ab, deshalb zeigen sich Anzeichen oft erst nach den Wechseljahren.[2]

Nicht jeder Mensch mit der Genvariante entwickelt eine bedeutsame Eisenansammlung. Die Häufigkeit unterscheidet sich in Europa stark: Laut europäischer Leitlinie ist sie im Norden, etwa in Irland, höher und im Süden deutlich niedriger.[2] Gerade deshalb lohnt es sich zu wissen, ob jemand in der Familie eine Hämochromatose hat: Verwandte ersten Grades einer Person mit der typischen Form sollten sich testen lassen.

Andere Formen der Eisenüberladung

Eisen kann sich auch bei Menschen ansammeln, die viele Bluttransfusionen bekommen, zum Beispiel wegen einer Thalassämie oder einer anderen chronischen Blutarmut, denn jede Blutkonserve bringt Eisen mit, das der Körper nicht ausscheiden kann. Die Kontrollen übernimmt dann ein spezialisiertes Zentrum.

Welche Symptome hat zu viel Eisen?

Am Anfang oft gar keine. Wenn sich Eisen ansammelt, sind Müdigkeit und Gelenkschmerzen am häufigsten, manchmal mit dunklerer, grau-bronzefarbener Haut. Später können Leberprobleme, Diabetes, Herzbeschwerden und bei Frauen unregelmäßige oder ausbleibende Perioden hinzukommen.[2]

Das Schwierige daran: Müdigkeit und Gelenkschmerzen sind häufige und unspezifische Beschwerden. Keines dieser Symptome zeigt für sich allein, dass Sie zu viel Eisen haben, das zeigen nur die Blutwerte. Deshalb empfiehlt die europäische Leitlinie, die Eisenwerte bei Erwachsenen mit unerklärter Müdigkeit oder Gelenkschmerzen, Lebererkrankung, Diabetes oder Hämochromatose in der Familie zu prüfen.[2]

Welche Blutwerte sind bei zu viel Eisen sinnvoll?

Die Basis sind Ferritin und Transferrinsättigung, nüchtern bestimmt, dazu Leberwerte und CRP. Bleibt die Sättigung erhöht, schlägt die Ärztin den HFE-Gentest vor. Bei Frauen mit der typischen Variante deuten eine Sättigung über 45 % und ein Ferritin über 200 µg/l auf eine wahrscheinliche Überladung hin.[2]

  • Transferrinsättigung: der empfindlichste Wert für die Hämochromatose. Wie sie berechnet und gelesen wird, steht im Ratgeber zur Transferrinsättigung.
  • Ferritin: zeigt, wie viel Eisen im Lager ist, steigt aber auch bei Entzündung, Alkohol, Fettleber und metabolischem Syndrom. Ein hohes Ferritin bei normaler Sättigung ist meist keine Überladung.
  • HFE-Gentest: sucht nach den häufigsten Varianten.
  • MRT der Leber: misst das Eisen in der Leber ohne Biopsie, wenn das Bild unklar ist.

Tipp: Um Fehlalarme zu vermeiden, fragen Sie Ihre Ärztin, ob Sie das Eisenpräparat 24 Stunden vor der Blutabnahme weglassen sollen, und lassen Sie morgens nüchtern Blut abnehmen. Bringen Sie außerdem eine Liste aller Nahrungsergänzungsmittel mit, auch der Multivitamine.

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Was passiert, wenn man zu viel Eisen auf einmal nimmt?

Eine akute Eisenüberdosierung ist ein medizinischer Notfall, besonders bei Kindern. Sie kann Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auslösen, aber wenn in den ersten Stunden keine Beschwerden auftreten, ist die Gefahr noch nicht vorbei. Hat ein Kind Eisentabletten geschluckt, rufen Sie sofort die 112 oder den Giftnotruf an, auch wenn es ihm gut geht.[3]

In den USA müssen Packungen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Eisen einen Pflichthinweis tragen: Das versehentliche Verschlucken eisenhaltiger Produkte ist eine der Hauptursachen tödlicher Vergiftungen bei Kindern unter 6 Jahren.[3] Bunte Tabletten und Dragees sehen aus wie Bonbons. Bewahren Sie Eisen in einem hohen Schrank in der Originalverpackung auf und lassen Sie es nicht in der Handtasche oder auf dem Nachttisch liegen.

Wie viel Eisen aus Präparaten ist zu viel?

Für Erwachsene nennt die EFSA eine sichere Aufnahmemenge von 40 mg Eisen pro Tag aus Lebensmitteln und Präparaten zusammen, ohne eine echte Höchstmenge festzulegen; in den USA liegt die Obergrenze für Erwachsene bei 45 mg pro Tag aus allen Quellen. Höhere Dosen werden nur nach ärztlicher Anweisung, für einen festgelegten Zeitraum und mit Kontrollen verwendet.[4][5]

Das größere Risiko ist nicht die einzelne Tablette, sondern Eisen, das jahrelang „sicherheitshalber“ ohne Blutwerte genommen wird, womöglich aus zwei Produkten gleichzeitig. Bei einer noch nicht erkannten Hämochromatose beschleunigt zusätzliches Eisen die Ansammlung. Die Regel ist deshalb einfach: erst die Blutwerte, dann gegebenenfalls die Ergänzung, dann eine Kontrolle. Wie viel Eisen Sie über die Ernährung täglich wirklich brauchen, lesen Sie im Artikel Wie viel Eisen am Tag.

Bestätigen die Blutwerte dagegen einen Mangel, kann Ihre Ärztin Ihnen eine Eisenergänzung mit festgelegter Dosis und Dauer empfehlen, die nach 8–12 Wochen kontrolliert wird.

Wie wird eine Eisenüberladung behandelt?

Bei der Hämochromatose ist der Aderlass die wichtigste Maßnahme: Regelmäßig wird eine bestimmte Menge Blut und damit Eisen entnommen, bis das Ferritin bei etwa 50 µg/l liegt. Danach folgt die Erhaltungsphase mit selteneren Aderlässen, um zwischen 50 und 100 µg/l zu bleiben. Bei einer Überladung durch Transfusionen werden Medikamente eingesetzt, die Eisen binden (Chelatoren).[2]

Die europäische Leitlinie gibt Menschen mit Hämochromatose außerdem einige praktische Hinweise: keine Eisenpräparate, kein Vitamin C als Nahrungsergänzung, vor allem solange das Eisen noch nicht gesunken ist, rotes Fleisch und mit Eisen angereicherte Lebensmittel nach Möglichkeit einschränken und mit Alkohol vorsichtig sein, weil er die Leber belastet.[2] Eine strenge „eisenfreie“ Diät ist nicht nötig: Der Aderlass wirkt viel stärker als jeder Speiseplan.

Nahrungsergänzungsmittel in einem hohen Badezimmerschrank
Bewahren Sie Eisenpräparate hoch, verschlossen und in der Originalverpackung auf, außer Reichweite von Kindern.

Wann sollten Sie zur Ärztin oder zum Arzt?

  • sofort (112 oder Giftnotruf), wenn ein Kind Eisentabletten geschluckt hat oder jemand viele auf einmal genommen hat,
  • wenn die Transferrinsättigung in zwei nüchternen Messungen erhöht ist,
  • wenn Ihr Ferritin erhöht ist und gleichzeitig Leberwerte auffällig sind, Diabetes besteht oder Sie unerklärte Gelenkschmerzen haben,
  • wenn ein Familienmitglied eine Hämochromatose hat,
  • wenn Sie seit vielen Monaten Eisen nehmen, ohne die Werte je kontrolliert zu haben,
  • wenn Sie eine Bluterkrankung haben oder Transfusionen bekommen: keine Eisenpräparate ohne fachärztliche Anweisung.

Um Ihre Werte über die Zeit zu verfolgen, können Sie die Tabelle in unserem kostenlosen 20-seitigen Ferritin-Ratgeber nutzen.

Lesen Sie auchTransferrinsättigung: Berechnung, Normalwerte und Bedeutung

Häufige Fragen

Ist ein erhöhtes Serumeisen gefährlich?

Ein einzelner hoher Wert oft nicht: Das Serumeisen steigt nach einem Präparat oder einer Mahlzeit und schwankt über den Tag. Bedeutsam wird es, wenn es in wiederholten Nüchternmessungen erhöht bleibt, vor allem zusammen mit hoher Transferrinsättigung und hohem Ferritin. Dann prüft die Ärztin eine Hämochromatose oder andere Ursachen.

Schadet zu viel Eisen der Leber?

Eine Eisenansammlung über Jahre kann die Leber schädigen, bis hin zu Fibrose und Zirrhose, besonders wenn Alkohol oder eine Fettleber hinzukommen. Deshalb sollte eine Hämochromatose früh erkannt werden. Ein einzeln erhöhtes Serumeisen ohne Ansammlung schadet der Leber nicht.

Kann man durch Fleisch zu viel Eisen bekommen?

Bei gesunden Menschen nicht: Der Darm regelt die Aufnahme und nimmt weniger auf, wenn die Speicher voll sind. Anders ist es bei der Hämochromatose, bei der diese Bremse nicht funktioniert. Dann kann die Ärztin raten, rotes Fleisch und mit Eisen angereicherte Lebensmittel einzuschränken.

Welche Symptome hat Hämochromatose bei Frauen?

Oft gibt es jahrelang keine Beschwerden. Am häufigsten sind Müdigkeit und Gelenkschmerzen, manchmal eine dunklere Haut. Später können Leberprobleme, Diabetes, Herzbeschwerden und unregelmäßige Perioden auftreten. Bei Frauen zeigen sich die Anzeichen meist erst nach den Wechseljahren.

Muss ich mein Eisen absetzen, wenn das Serumeisen hoch ist?

Entscheiden Sie das nicht allein, sprechen Sie aber bald mit Ihrer Ärztin. Kommt der hohe Wert vom Präparat vor der Blutabnahme, genügt es, den Test zu wiederholen. Sind dagegen Sättigung und Ferritin erhöht, wird das Eisen abgesetzt und die Ursache abgeklärt.

Quellen

  1. Sandnes M., Ulvik RJ., Vorland M., Reikvam H. Hyperferritinemia: a clinical overview. J Clin Med. 2021;10(9):2008. doi.org
  2. European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines on haemochromatosis. J Hepatol. 2022;77(2):479–502. doi.org
  3. U.S. Food and Drug Administration. Dietary Supplement Labeling Guide: Chapter VIII. Other labeling information (Pflichthinweis auf eisenhaltigen Produkten, 21 CFR 101.17(e)). fda.gov
  4. EFSA NDA Panel. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for iron. EFSA Journal. 2024;22(6):e8819. doi.org
  5. National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Iron: Fact Sheet for Health Professionals. ods.nih.gov

Der Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie vor der Einnahme von Eisenpräparaten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Leena Bloom

Leena Bloom

Beraterin für Nahrungsergänzungsmittel

Beraterin für Nahrungsergänzungsmittel und Gesicht der Marke FerraBloom. Sie schreibt über Eisen, Ferritin und gesunde Haare auf Basis aktueller Leitlinien und Studien. Jeden Text prüft die FerraBloom Redaktion. Alle Artikel · Redaktionelle Richtlinien

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